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SIAS- Trockenmauer

Trockenmauern

Definition

Der Trockenmauerbau ist das Aufschichten von Natursteinen ohne Bindemittel (z. B. Mörtel) zu einer Mauer mit hoher Stabilität und von langer Lebensdauer.

Ein archaisches Handwerk mit viel Erfahrungswissen

Die Entwicklung der Fertigkeit des Trockenmauerbaus entstand aus einer traditionelle Methode, deren Ursprung in Mitteleuropa bereits vor der Römerzeit lag. Ihren Anfang nahmen die Trockenmauern beim Steinelesen als die ersten permanenten Kulturen (Weinbau, Landwirtschaft, Obstbau) entstanden und die Felder von den Steinen befreit wurden. Anstatt diese zu Lesesteinhaufen zusammenzutragen, begannen die Landwirte nach und nach Techniken zu entwickeln um die Landschaft zu strukturieren und bisher unerreichbares Gelände zu erschließen.

Durch den Verzicht auf Bindemittel können die Trockenmauern sich an die Bewegungen der Erde und an hohe Temperaturunterschiede anpassen, was sie nachhaltiger macht als die oft als stabiler angesehenen Betonmauern. Die Mauern entwässern die angrenzende Fläche, vor allem bei Starkregenevents und verhindern gleichzeitig das Abschwemmen des Bodens (Erosion). Da sie ganz ohne Bindemittel gebaut sind, können die Trockenmauern ganz lokal in Stand gesetzt werden (z.B. bei Ausbauchung, Einbruch, Zerstörung der Krone, Ausbruch von einzelnen Steinen). Obwohl die Tradition der Wissensübermittlung sich im Laufe der Zeit verloren hat, finden wir heute noch eine Vielfältigkeit von Konstruktionstypen (Stützmauern, Grenzmauern, Drainage, Unterstand, Treppen, …). Allein im Großherzogtum Luxemburg findet man Hunderte von Kilometern an Mauern, das Inventar wird derzeit gemacht.

Fauna und Flora

Die Trockenmauer, als typischer naturnaher Lebensraum gehört zu den geschützten Biotopen und ergänzt den Lebensraum von gemeinschaftlichem Interesse „Felswandgesellschaft". Außerdem bieten die Mauern mit ihrem Netzwerk in der Landschaft einen ökologischen Korridor, der zum Schutz der Biodiversität beiträgt.

Mit im Durchschnitt 25% Hohlräumen, dienen die Mauern als Habitat und Rückzugsort für eine vielfältige Flora und Fauna. Dank ihres spezifischen Mikroklimas, findet man hier eine große Vielfalt an Insekten, Spinnen, Schnecken, Reptilien, Vögeln, kleinen Säugetieren, Flechten, Moosen, Farnen, Dickblattgewächsen und Blütenpflanzen.

Verlorengegangenes Handwerk

Die Technik des Trockenmauerbaus stammt von einem handwerklichen Können das von Generation zu Generation von Weinbauern/Landwirten weitergegeben wurde. Durch die Aufgabe der Nutzung, ist dieses Wissen nach und nach verloren gegangen. Die terrassierten Weinberge wurden aufgegeben und sind durch das Aufkommen von Sträuchern zunehmend verbuscht. Neben dem Mangel an Unterhalt, wurde ein Großteil des kulturhistorischen Erbes durch die Flurbereinigung in den 1970er Jahren zerstört.

Eine Trockenmauer, die nach den Regeln der Kunst gebaut wurde, hält Jahrzehnte. Dank dieser Langlebigkeit und Stabilität des Trockenmauerbaus, finden wir immer noch eine große Anzahl an Trockenmauern entlang von Straßen, Flüssen, in der Landwirtschaft und im Weinbau, die unsere Landschaft prägen. Diese werden dem Druck von immer schwerer werdenden Maschinen ausgesetzt. Trotz den Bemühungen die Mauern zu erhalten führt der Mangel an Fachwissen oft zu paradoxen Unterhaltsmaßnahmen (Beton, Mörtel, Pestizide, mechanische Arbeiten, …), welche anstatt den Zustand des kulturhistorischen Erben zu erhalten, es weiter zerstört. Das INTERREG VA Projekt „Trockenmauern in der Großregion" wurde gestartet um unser Erbe zu valorisieren, das Fachwissen zurückzubringen und Professionelle Mauerbauer in der Großregion auszubilden.

Die goldenen Regeln im Trockenmauerbau

 

 

- Fundament: 1/3 der Höhe der Mauer

- Neigung: 8-15 %

- Mauerkörper: konsequente Überbindung der Steine

- Durchbinder garantieren einen stabilen Verband in der Querrichtung

- Hintermauerung mit Entwässerung

- Mauerkrone mit schweren Decksteinen

 

 

 


 

Mein Einsatz für die Trockenmauern

Wenn Sie mehr über die alte Handwerkskunst erfahren möchten oder selber mit anpacken wollen laden wir sie zu den Workshops ein, die im Rahmen des INTERREG Projektes „Trockenmauern in der Großregion" angeboten werden.

Zögern sie nicht die Botschaft über die Wichtigkeit des Erhalts unseres Kulturerbes an ihre Freunde, Kollegen, Nachbarn zu verbreiten. Die Biologische Station SIAS steht ihnen für weitere Fragen zur Verfügung:

Tel: 34 94 10 – 28
Mail: sias@sias.lu